Weltmeisterschaften in Zagreb 2006, Dreistellungskampf Herren, 8.00 Uhr. In den nächsten 45 Minuten sind 40 Wertungsschüsse abzugeben. Der Wind bläst heftig in die freie Talmulde, Regen und Sonne wechseln in kurzer Folge. Extrembedingungen für Schützen aus aller Welt. Um Wind und Lichtwechsel in den Griff zu bekommen, muss die Visierung zügig in eine optimale Einstellung gebracht werden. Vor allem die aufmerksame Beobachtung der Windfahnen wird über Erfolg und Mißerfolg entscheiden. Abwarten, wenn die Böen zu heftig werden oder ihre Richtung ändern. Tempo machen, wenn es gleichmäßig von einer Seite windet. Gleichzeitig werden sich die Kontraste um den Spiegel ständig ändern, Iris und Filter müssen dem folgen. Das Verkanten gerät unter solchen Umständen leicht ins Hintertreffen. Die Kontrolle der Neigung des Gewehrs ist nur einer bon mehreren Jobs, die die Augen in der nächsten Dreiviertel-Stunde zu meistern haben...
Um mit den Tücken des Verkantens verantwortungsvoll umgehen zu können, solltest du dich zunächst mit den Folgen dieses Zielfehlers beschäftigen. Das geschieht am besten im Training, denn hier bist du voll konzentriert und kannst beliebig lange experimentieren.
Die einfachste Übung zur Erforschung des Verkantens liegt darin, die Waffe zunehmend zu einer Seite ‘schief’ zu legen. Beginne mit einer kaum sichtbaren Neigung und steigere sie über zehn Schüsse bis auf etwa 20 Grad.
Beobachte dabei, wie sich der Treffpunkt von Schuss zu Schuss verlagert. Die Wirkung ist nicht unbedingt beim einzelnen Treffer zu erkennen, wohl aber am Schussbild der Zehnerpasse. Die Einschüsse werden sich allmählich in die Richtung bewegen, in die du dein
Gewehr drehst. Je stärker die Wendung, desto weiter die Abweichung.
Je nach Waffe ändert sich Wirkung des Verkantens. Probiere deshalb mit dem Luftgewehr, mit dem Kleinkaliber auf 50 und 100 Meter und - wenn vorhanden - mit der Armbrust. Die reagiert nämlich besonders sensibel auf jede Abneigung, weil die Flugbahn des Pfeils viel stärker gebogen ist, als bei LG oder KK.

